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Lesson Two

Es bleibt nur die Frage, wann diese Zeit begann. Gabriel sagt: „Von der Zeit an, als das Wort erging, Jerusalem werde wieder aufgebaut werden …“. Bei diesem „Wort“ muss es sich um einen offiziellen Erlass handeln, und tatsächlich gibt es mehrere solcher Erlasse aus Persien, die eine Rückkehr der Exilanten und den Wiederaufbau Jerusalems erlaubten. Aber nur einer dieser Erlasse passt zu dieser Prophezeiung des Gabriel. Es ist der Erlass des Königs Artaxerxes, der im Herbst 457 v. Chr. gegeben wurde. Es ist der vollständigste Erlass, da er sowohl die Wiederherstellung des religiösen Lebens (den Tempel) als auch die politische und administrative Wiederherstellung der Stadt befiehlt.

Zunächst spricht Gabriel von 69 Wochen, demnach also von 483 Jahren (69 mal 7) ab dem Erlass, Jerusalem wiederaufzubauen. Wenn wir in Betracht ziehen, dass es kein Jahr 0 gibt, kommen wir am Ende dieser 483 Jahre ins Jahr 27 n. Chr., und das war das Jahr, in dem Jesus am Jordan getauft und vom Heiligen Geist „gesalbt“ wurde. Was ist mit der restlichen Woche, also mit den sieben Jahren, die jetzt noch fehlen? Diese letzte Woche hat eine ganz besondere Bedeutung, auf die Gabriel jetzt zu sprechen kommt: „… ein Gesalbter wird ausgerottet werden und nicht mehr sein“ (Vers 26). Dieser Messias wird also sterben, genau das ist die Vorhersage.

Aber das wird noch näher beschrieben, denn in Vers 27 heißt es: „Und stark machen wird er einen Bund für die Vielen eine Woche lang, und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen.“ Die Hälfte einer Woche ist nach 3 ½ Tagen vorbei, hier sind natürlich 3 ½ Jahre gemeint.

Der Erlass des Artaxerxes wurde im Herbst 457 v.Chr. gegeben. Die 483 Jahre reichten bis in den Herbst des Jahres 27 n.Chr. Dreieinhalb Jahre später führen uns ins Frühjahr 31 n. Chr., als Jesus als das „Osterlamm“ am Kreuz für die Sünden der Menschen starb. Die Berichte von seiner Kreuzigung erwähnen ausdrücklich, dass genau in dem Moment, als Jesus dieses größte aller Opfer darbrachte, der Vorhang im Tempel zwischen dem ersten und dem zweiten Teil des Tempels zerriss. Ein übernatürlicher Vorgang, denn es wird betont, dass er von oben nach unten zerriss. Damit war klar, dass der beispielhafte Opferdienst, der auf das eine große Opfer durch Jesus hinweisen sollte, nun vorbei war. Jesus hatte tatsächlich „Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen“.

Das ist die Antwort, die Daniel auf sein Bußgebet bekommt. Das Entscheidende ist: Der Messias wird kommen. Daniel wird sogar darüber informiert, wie lange es noch sein wird, bis der Messias kommt, damit sich alle, die auf ihn warten, gebührend darauf vorbereiten können. Damit bestätigt Gott erneut, was er durch den Propheten Amos gesagt hat: „Gott der Herr tut nichts, er offenbare denn seinen Ratschluss den Propheten, seinen Knechten“ (Amos 3,7).

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Diese wohl eindrucksvollste messianische Prophezeiung ist auch der Schlüssel zum Rätsel aus Kapitel 8, die 2300 Abendmorgen bzw. 2300 Jahre.

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